Die nachfolgenden drei Beispielesollen nur dazu dienen, das Wesen der Homöopathie besser zu illustrieren. Sie sind weder eine Anleitung zur Selbstdiagnose oder Therapie und auf den Einzelfall bezogen. Auch wenn die MIttel in diesen Fällen die richtigen waren, brauchen andere Patienten dagegen vielleicht ein ganz anderes Mittel. Dies festzustellen ist die Kunst der Homöopathie.

1. Ein Beispiel zur individuellen homöopathischen Arzneimittelfindung am Beispiel der Wirkung von Kaffee:

Wir alle kennen die Wirkung von Kaffee auf unseren Organismus; er macht uns munter, frisch, aber auch unruhig, nervös; klar im Kopf, wenn wir müde sind; aber er erzeugt auch Ruhelosigkeit, Ü-bererregtheit und Schlaflosigkeit. Haben wir nun ein zahnendes Kind, das sich nachts unruhig hin und her wälzt, es ist dabei hellwach und kann überhaupt nicht schlafen; es reagiert hochgradig empfindlich auf die Schmerzen, die Mutter darf es nicht einmal anfassen; alles wird auch noch schlimmer bei lauten Geräuschen. Werden die Zahnschmerzen dann auch noch besser durch das Saugen an Eisstückchen, dann wird ihm oftmals eine homöopathische Arzneimittelgabe von „Coffea“ nach dem Ähnlichkeitsprinzip helfen.

Auch bei chronischen Erkrankungen wird durch die Anamnese das Krankheitsmuster des Patienten individuell zusammengefügt und dann nach einem Arzneimittel gesucht, das in seinem Muster eine größtmögliche Ähnlichkeit mit dem besonderen Krankheitsmuster des Patienten hat.

2. Ein erfreulicher Fall aus der Praxis: Chronischer Heuschnupfen

L. ist fünf Jahre alt und kommt im Juli 2003 wegen Heuschnupfens. Die individuellen Symptome des Heuschnupfens von L. sind wie berichtet:

„Milde Absonderungen aus Augen und Nase.
Kein Heuschnupfen, wenn sie durch blühende Wiesen geht.
Der Heuschnupfen setzt plötzlich ein, wenn sie nasse, kalte Füße bekommt, beim Durchwaten eines kleinen Baches oder auch im Schwimmbad.“

Zusammenfassend das im Krankengespräch erhobene chronische Bild mit den wichtigsten Symptomen von L.:
Von ihrer Gemütsart her ist sie sehr wechselhaft; sie ist voller Freu-de und dann weint sie aber auch sehr schnell, oder sie ist reizbar und zornig, wenn sie ihren Willen nicht bekommt. Sie mag keinen Streit mit anderen Kindern. Sie liebt das Beisammensein. Sie braucht viel Zuspruch.
Sie ist sehr warmblütig, sie ist immer „wie ein kleiner Ofen“; sie mag die frische Luft.
Das Einschlafen abends ist immer sehr schwierig und sie erwacht jede Nacht zwischen 2 und 3 Uhr, schon immer (Mutter und kleine Schwester ebenso). Schon als Baby war morgens und abends ihre schlechteste Zeit. Sie musste dann immer geschaukelt werden.
Sie hat schon immer eine starke Abneigung und Ekel gegen Butter und fette Speisen.

Sowohl die akuten wie die chronischen Symptome hat Pulsatilla in seinem Arzneimittelbild sehr hochwertig!

L. bekam also Pulsatilla C200 bis zur Arzneistärke Pulsatilla XM über ungefähr zwei Jahre für ihren Heuschnupfen und als chronisches Mittel.
Die Heuschnupfenattacken waren jeweils nach der Verabreichung sofort gestoppt.
Nach einer Impfung half ihr Pulsatilla bei ihren Heuschnupfenatta-cken zunächst nicht mehr. Eine Gabe des Mittels Silicea 1M als Zwischenmittel hob die Impfblockade aber auf und Pulsatilla konnte wieder seine Wirkung entfalten.

Sie war am Ende der Behandlung ein fröhliches, ausgeglichenes, selbstbewusstes Mädchen. Sie brauchte immer noch wenig Schlaf, erwachte aber morgens gut gelaunt und munter. Sie schlief nun nachts durch. Eine Warze an ihrem Fuß fiel ab.

3. Zuletzt noch ein spannender Fall aus Hahnemanns Praxis:(Quelle: S. Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, Band 2)

„Herr W., ein schwächlicher, blasser Mann von 42 Jahren, dessen stete Beschäftigung am Schreibtisch war, klagte mir den 27.Dec. 1815: er sei schon 5 Tage krank.
Die folgenden Symptome konnte Herr W. berichten:

  1. Den ersten Abend ward es ihm, ohne sichtbare Veranlassung, übel und drehend, mit vielem Aufstoßen,
  2. die Nacht darauf (um 2 Uhr) saures Erbrechen,
  3. die darauf folgenden Nächte heftiges Aufstoßen,
  4. auch heute übles Aufstoßen von stinkendem und säuerlichem Geschmack,
  5. es war ihm, als wenn die Speisen roh und unverdaut im Magen wären,
  6. im Kopfe sei es ihm so weit und hohl und finster, und wie empfindlich darin
  7. das kleinste Geräusch sei ihm empfindlich gewesen,
  8. er ist milder, sanfter, duldender Gemütsart.

Dieser Kranke konnte durch nichts leichter, gewisser und dauerhafter geheilt werden, als durch die hier homöopathische Pulsatilla, die er dann auch sogleich, aber seiner Schwächlichkeit und Angegriffenheit wegen, nur in einer sehr verkleinerten (hoch verdünnten und potenzierten) Gabe, d.h. einen halben Tropfen einer aufgelösten Gabe in der Stärke C24. Dies geschah gegen Abend.
Den folgenden Tag war er frei von allen Beschwerden, seine Verdauung war hergestellt, und so blieb er frei und gut, wie ich nach einer Woche von ihm hörte.“

Warum also verordnete Hahnemann in diesem Fall Pulsatilla, die homöopatisierte Küchenschelle?

Alle Symptome des Herrn W. sind im geprüften Arzneimittelbild von Pulsatilla bestens vertreten!
Wir finden zu Pulsatilla in der Symptomensammlung:

1. Schwindel abends
2. Aufstoßen, Erbrechen nachts
3. Schlaflosigkeit um 2 Uhr nachts
4. Aufstoßen, Übelkeit erregend und sauer
5. Erbrechen unverdauter Nahrung
6. Hohles, leeres Gefühl im Kopf
7. Überempfindlich gegen Geräusche
8. milde,sanfte Gemütsart

Nach dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie kann in diesem Fall sicher die passende Arznei verordnet werden!

Zu diesem Ziele haben sich Homöopathen seit über 200 Jahren einerseits die Erfahrungen aus der Naturheilkunde über die Wirkungsweise von Pflanzen, Mineralien, Substanzen tierischen Ursprungs, Giften usw. zunutze gemacht, aber auch selbst zahllose Arzneimittelprüfungen vorgenommen. Inzwischen haben wir auf Grund dieser Forschungen einen reichen, gut geprüften Fundus an Arzneimitteln, der fortlaufend erweitert und ergänzt wird.

Dieser reiche Fundus ist unser Handwerkszeug in der täglichen Praxis und damit auch wichtiger Inhalt unseres Ausbildungsangebots.